Wege aus der Informationsgesellschaft

 Gernot Wersig

Version 11.11.00

 

Widersprüchlichkeiten als Ausgangspunkt

Der Studiengang Informationswissenschaft an der Freien Universität Berlin wurde in diesem Jahr nach über 30 Jahren endgültig eingestellt. Dies könnte lokale Ursachen haben, aber wenn man sich einmal umschaut in Deutschland, dann muß man feststellen, daß die noch im Bundesförderungsprogramm Information und Dokumentation von 1975 als wissenschaftliche Begleitung für unerläßlich gehaltene Informationswissenschaft kaum noch zu finden ist — die Gesellschaft für Information und Dokumentation ist von der GMD aufgesogen worden, die ihrerseits derzeit ihrer wissenschaftlichen Potentiale entleert werden soll, Informationswissenschaft in Konstanz ist fast homöopathisch verdünnt, in Saarbrücken, Düsseldorf, Regensburg ist sie nie aus einer Marginalposition herausgekommen.

Andererseits führen wir mit höchster Beteiligung eine Diskussion über einen eklatanten Personalmangel in der Informations- und Kommunikationsbranche und wir führen diese Diskussion trotz einiger Tausend arbeitsloser Informatiker und vieler Tausend arbeitsloser Ingenieure, die wir offensichtlich falsch ausgebildet haben, wir müssen große Initiativen veranstalten, um Schulen mit dem Arbeitsmittel zu versorgen, das seit etwa 15 Jahren für diejenigen, die mit in Zahlen und Texten gefaßtem Wissen zu tun haben, eine pure Selbstverständlichkeit geworden ist. An anderen Fronten führen wir Kampagnen, um kleine und mittlere Unternehmen wenigstens dazu zu bringen einmal e-mail auszuprobieren. Auch diese Initiativen kommen nur mühsam voran, weil weder die Lehrer noch die Mitarbeiter in den KMU das notwendige technische Rüstzeug beherrschen.

Diese Widersprüchlichkeiten werden dann überlagert von an allen Ecken und Enden aufflammenden Diskussionen — von den G7-Konferenzen über zahllose Aktivitäten der Europäischen Union bis hin zu fast wöchentlich stattfindenden Symposien — über das Informationszeitalter, die Informationsgesellschaft, die Wichtigkeit des IT-Sektors, die new economy, den digitalen Kapitalismus. In diesen Diskussionen variieren sich häufig die gleichen Grundmuster.

Beide Positionen sind Positionen eines Alltagsverständnisses, das erst dann entsteht, wenn die Technologien bereits so sichtbar geworden sind, daß man über sie reden muß.

 

Fehlen einer geeigneten Selbstbeschreibungsform

Damit bin ich dann gleichzeitig bei der Funktion, die der heutige Abend haben soll: Wir bemerken derzeit, daß wir — sagen wir mal als Gesellschaft — vieles versäumt haben und daß der Kern dieser Versäumnisse darin liegt, daß wir keine Wissenschaft gefördert haben, die bereits frühzeitig die "Informationsgesellschaft" unter dem Gesichtspunkt ihrer zukünftigen Entwicklung betrachtet hat. Eine solche Betrachtungsweise ist dringender als je zuvor und vielleicht können wir heute abend einiges dazu beitragen, zumindest einige der damit verbundenen Probleme zu thematisieren. Die Informationswissenschaft hätte so etwas sein können und insofern wird sie als Idee und Diskursteilnehmer weiter bestehen auch ohne Lehr- und Studienprogramm. Auch die Technikfolgenabschätzung und Zukunftsforschung boten ein solches Potential, das aber ebensowenig gefördert wurde.

Das Problem, das die gegenwärtige Diskussion m.E. hat, liegt vor allem darin, daß wir — wegen des Fehlens einer solchen Selbstbeobachtungs- und Selbstbeschreibungsform — derzeit nicht so richtig verstehen, was eigentlich passiert und uns deshalb mit hektischen aktuellen Problemlösungsversuchen beschäftigen, denen ein Konzentrationspunkt fehlt. Ersatzweise bezieht sich dann alles auf die "Informationsgesellschaft" als Konzentrationspunkt, von der aber auch keiner weiß, was sie eigentlich ist. Die These, die ich im folgenden vortragen werde, ist kurzgefaßt: "Informationsgesellschaft" ist etwas, das sich über 150 Jahre entwickelt und in sich so verkehrt hat, daß sie nicht mehr als zukunftsorientierter Bezugspunkt taugt und daß wir demzufolge über Wege nachdenken müssen, die uns aus dieser Verschlingung wieder herausführen.

Niklas Luhmann ist mit seinem höchst umfangreichen, komplexen, für viele unverständlichen Werk vielleicht nicht der einfachste Ausgangspunkt für ein solches Unterfangen. Ich sehe einal man von seiner Gesellschaftstheorie ab, akzeptiere aber seine Beobachtung, daß Gesellschaft zu groß ist, als daß ein einzelnes Bewußtsein sie vollständig erfassen und beschreiben könnte. Gesellschaft realisiert sich in den kognitiven Komplexen in den von verschiedenen Seiten versuchten Selbstbeschreibungen.

Die Tatsache, daß wir derzeit eine Menge von unterschiedlichen, konkurrierenden Selbstbeschreibungen aktivieren, zeigt daß

 

"Informationsgesellschaft" als IT-Gesellschafts-Selbstbeschreibung

Wo gehört hier "Informationsgesellschaft" hin? Sieht man von widersprüchlichen früheren Verbindungen von "Information" und "Gesellschaft" ab — etwa der "informierten Gesellschaft" des Nachrichtentechnikers Karl Steinbuch 1966 und der "informationsbewußten Gesellschaft" von mir 1971 - , dann ist "Informationsgesellschaft" eine Geburt der 90er Jahre in der Folge der informations- und kommunikationstechnischen Höhenflüge der "information highways". Informationsgesellschaft wird zur Kennzeichnung der Durchdringung von Gesellschaft mit Informations- und Kommunikationstechnologie — vor allem auf der vordergründigen Faszination des Internet, das die vielen IT-Inseln miteinander verbinden kann und uns von daher verdeutlicht an wie vielen Stellen IT eine zunehmende Rolle spielen wird.

Daß IT unsere Gesellschaft gründlich verändern wird, ist unzweifelhaft, aber was hat das mit "Information" zu tun? Selbst wenn man sagte, daß "Informationsgesellschaft" nur eine verkürzte Form für "informationstechnische" oder "IT-Gesellschaft" wäre, müßte man sich noch fragen, wie es kommt, daß plötzlich unsere Selbstbeschreibungsformen an einzelnen Technologiegruppen ansetzen, obwohl die technologisch fundierte Gesellschaftsveränderung ja nichts Neues ist, ohne daß man etwa von Elektrizitätsgesellschaft, Automobilgesellschaft oder Anti-Baby-Pillen-Gesellschaft geredet hätte.

Daß die informationstechnisch inspirierten Bangemanns, Al Gores und Bill Gateses die IT-Implikation von "Informationsgesellschaft" aufgenommen und strategisch ausgeschlachtet haben, wird im Laufe dieses Vortrags noch verständlich werden, daß das aber alle mitmachen, muß an etwas anderem liegen, denn Gesellschaftsverständnis ist ja nicht unbedingt die Kernkompetenz dieser Personenkreise. Lassen Sie mich daher den Versuch machen, die Geschichte um die Informationsgesellschaft einmal etwas anders zu erzählen.

 

Die frühe Phase: Kampf um Information

Die Geschichte der Informationsgesellschaft beginnt nämlich viel früher als die der IT - der Kampf um Demokratie vom Beginn des 19. Jahrhunderts an konzentrierte sich auf den Kampf um die Presse- und Meinungsfreiheit, also um Information. Auch wenn sie überwiegend als "Meinung" angesprochen wurde, wurde dieses Recht von Bürgerseite doch immer als das Recht, sich aus allen frei zugänglichen Quellen informieren zu können definiert. Interessanterweise ist diese zentrale Position der Freiheit der Information auch in einer Doppelfigur mit Ökonomie und Macht verbunden, die - in gewandelter Form - bis heute erhalten ist: Pressefreiheit erforderte die Freiheit der Anzeigenplazierung (Aufhebung des Intelligenzzwangs), damit die Presse die ökonomische Basis erhielt, die sie zu einem breiten Massenphänomen machen konnte, sie erforderte aber auch die Aufhebung der Vorzensur als Einschränkung politischer Macht. In Konsequenz dieser zentralen Position der Information konzentrierten sich die autoritären und totalitären Systeme, auch auf Information, deren Kontrolle mit staatlichen und ökonomischen Mitteln Kern aller totalitären Machterhaltung ist. Die Informationsgesellschaft in diesem Sinne war spätestens 1961 mit dem ersten Fernsehurteil des Bundesverfassungsgerichts - zunächst in den alten Bundesländern - erreicht: freie Presse, Freiheit des öffentlich-rechtlichen Rundfunks vom Staatszugriff und damit staatsfreier Informationszugriff durch den Bürger war gesichert.

 

Die Inhaltsentleerung von Information

Gleichzeitig mit der Entfaltung dieser Informationsgesellschaft entfaltet sich aber auch ein anderes Verständnis von "Information", das angestoßen ist von der technischen Verwertung der nachrichtentechnischen Arbeiten von Shannon: "Information" als das jenige, das unabhängig von seiner inhaltlichen (semantischen) und menschlichen (pragmatischen) Bedeutung technisch verarbeitet und übertragen werden kann. In Deutschland stürzt sich die IT-Fraktion der Informatiker sofort darauf und ersetzt den einigermaßen neutralen Ausdruck Datenverarbeitung durch Informationsverarbeitung und nennt sich hochtrabend Informatik. Hier standen und stehen sich noch immer zwei Interpretationen gegenüber:

Die Ökonomisierung von Information

In all diesen Fragen ging es darum, daß das Handeln von Menschen und Machthabern von Kenntnissen abhängt, als "Information" werden sie im öffentlichen Bewußtsein erst angesprochen, als sie rechtlich abgesichert und gewissermaßen selbstverständlich waren. Die Entwicklung der Informationsgesellschaft war also bis in die 70er oder sogar 80er Jahre eine Auseinandersetzung, die sich im wesentlichen auf der Machtebene abspielte, von nun an übernahm die andere Seite der Doppelfigur die Initiative - die Ökonomie.

Der Kampf um den Freiheitsrang der Information hatte auch immer seine ökonomische Seite: Schon immer wurden Massenmedien immer mehr unter dem Gesichtspunkt der Gewinnerzielung lanciert als unter dem der Informationsfreiheit (die allerdings die Medien immer dann für sich in Anspruch nahmen, wenn sie sich von irgendwelchen Seiten her bedroht sehen). Privates Radio und Fernsehen wird in Deutschland zwar mit dem Argument der Informationsvielfalt gefordert, dahinter stehen aber handfeste Interessen an den zu erzielenden direkten (durch Werbung) oder indirekten (z.B. über Filmrechteverwertung) Gewinnen. Die Datenautobahnen und das Internet werden zwar auch als Erweiterung der Informationsmöglichkeiten begriffen, aber überall da, wo sich Wirtschaft und Politik dafür einsetzen, sind es vor allem die wirtschaftlichen Potentiale, die man darin sieht — erst mit der Möglichkeit von e-commerce setzt in Deutschland an diesen Stellen das Interesse ein. Selbst bei UMTS ist man sich des Arguments der Informationsbereitstellung nicht zu schade, obwohl es doch nun wirklich auch im Sinne einer breitesten Interpretation aller Informationsrechte schon erhebliche Möglichkeiten gibt. Hier forciert natürlich noch die gerätetechnische Industrie — es ist kein Zufall, daß die Apologeten der IT und Informationsgesellschaft an den zentralen Stellen in Deutschland von IBM kommen.

Mit den Argumenten der Verbreiterung der Informationsmöglichkeiten und Intensivierung der Informationsbereitstellung wird aber überwiegend längst bekanntes wiederholt, die Menge des unrichtigen, unaktuellen, unpräzisen, sinnlosen Angebots erheblich ausgeweitet, wird insbesondere die Menge beeinflussender (und nicht primär informierender) Inhalte erweitert, wird nicht nur die Menge der unterhaltenden Angebote ausgeweitet sondern wird von dieser Seite aus auch das primär informierend gemeinte Angebot umstrukturiert (infotainment) und wächst das öffentlich zugänglich Geschwätz ins Unermeßliche.

Verstehen Sie mich nicht falsch: Bestimmte Sendungen schaue ich mir gerne mehrfach an, ich mag Werbung, jeder soll auch öffentlich seinen Unsinn zur Verfügung stellen können — aber was hat das mit Information zu tun? Nach fast allen begrifflichen Fassungen von "Information" ist das überwiegende Merkmal dieser Inhalte "Nicht-Information", ihre Deklarierung als "Information" bedient sich der nachrichtentechnischen Reduktion des Informationsbegriffs durch Shannon auf die reine Bitmenge, die übertragen wird. Damit wird alles, was telekommunikativ übertragen werden kann, unabhängig von seinem Handlungsbezug "Information", die Forderung nach Informationsfreiheit wird konsequenterweise transformiert in eine Forderung nach Freiheit und Ausbau (möglichst staatsgefördert) der Übertragungswege.

 

Information als Überflußerscheinung

Wir sprechen heute an vielen Stellen — die Politik und Wirtschaft sind allerdings noch nicht so weit — von einer Veränderung der Moderne in die Postmoderne (oder zweite Moderne, das ist hier nicht so wichtig), wobei — neben der Globalisierung — vor allem die Transformation des modernen Staatsverständnisses eine wesentliche Bedeutung hat. Für diese spielt eine Quadriga (früher hätte man Viererbande gesagt) eine zentrale Rolle: Liberalisierung, De-Regulierung, Privatisierung und Kommerzialisierung. Den grundsätzlichen Abbau überzogener Staatsfunktionen kann kein im weitesten Sinn Liberaler von Marx bis heute widersprechen, aber im Kommunikationsbereich führt diese Quadriga fatalerweise zu einer Gleichsetzung aller Kommunikation unabhängig davon, was kommuniziert wird.

Aus der Mangelerscheinung "Information, die etwas bedeutet", wird eine Überflußerscheinung, in der Bedeutung keine Rolle mehr spielt. Wir ersticken in dieser "Information" und haben immer größere Schwierigkeiten, einerseits die Information zu identifizieren, die man für sein eigenes Handeln braucht, andererseits sich mit den abzugebenden Informationen gegen die konkurrierenden Informationen zu behaupten. Bereits 1970 habe ich ein Seminar zum Thema "Informationslawine und Informationsmüll" veranstaltet.

Dies ist einer der Grundwidersprüche dieser Zeit: Das Übermaß an Angeboten verdeckt die eigentliche Information und behindert gezielte Informationsvermittlung. Was die auslaufende Industriegesellschaft im Warenbereich mit der Überflußgesellschaft erreicht hat, hat diese so verstandene Informationsgesellschaft mit den kommunikativen Angeboten erreicht: Ein Überangebot aller möglichen kommunikativen Kategorien, das über die existentiellen Notwendigkeiten weit hinausreicht (lediglich im nicht-informationellen Dienstleistungsbereich ist die Entwicklung zunächst noch zögernd aus Gründen, die uns hier nicht weiter beschäftigen müssen).

 

Informationsgesellschaft als Auslaufmodell der Industriemoderne

In der Spätphase der Moderne hat Gesellschaft das Konzept der "Information, die etwas bedeutet" entdeckt und fruchtbar zu einer Informationsgesellschaft bis ca. 1990 entwickelt. Auf der Ebene der Macht beginnt nun die Transformation in die Postmoderne, der dieses Konzept von "Information" zu entgleiten scheint. Das hängt vor allem damit zusammen, daß auf der Ebene der Wirtschaft die Moderne — die Industrie- und Arbeitsgesellschaft — sich immer noch kräftig gegen ihre Funktionsersetzung durch eine postmoderne Gesellschaft mit zugegebenermaßen noch recht unklaren Grundstrukturen zur Wehr setzt. Wirtschaftswachstum, Vollbeschäftigung, solidarische Sicherungssysteme, staatliche Absicherung aller individuellen und kollektiven Risiken waren die Grundpfeiler der entwickelten modernen Industriegesellschaft, deren Hauptinstrument die Produktion materieller Güter war. Dieser Bereich hat in den industrialisierten Staaten einen gewissen Sättigungsgrad erreicht, viele materielle Produktionsverhältnisse werden tatsächlich globalisiert und die letzten Bereiche, an die sich die Industriegesellschaft noch klammert, sind die der IT. Auch da verändern sich übrigens die Situationen relativ schnell: Noch vor einem Jahr war an der Spitze die Telekommunikation, die gerade einbricht, auch die arbeits- und bürobezogene Gerätesparte wackelt gerade, alle Hoffnungen der letzten Modernen richten sich jetzt auf die "new economy", sprich e-everything. Und wenn man sich die Gewinnzahlen der new economy ansieht, dann sind es tatsächlich nur Hoffnungen. Die immer noch aus der Demokratietradition der Moderne positiv besetzte "Informationsgesellschaft" wird hier zu einem wichtigen Marketinginstrument, damit sich diese letzten Hoffnungen auch bald erfüllen. Oder um es einmal platt auszudrücken: Man könnte einige der Bewegungen der Gegenwart auch interpretieren als der Versuch alle dazu zu zwingen, nun endlich den Umgang mit dem Internet zu lernen, damit sich die Rieseninvestitionen in UMTS, e-commerce und e-capitalism endlich lohnen.

Es gibt viele Gründe warum wir diese Entwicklung gar nicht richtig vermeiden können und uns ihr stellen müssen, aber wir sollten dies mit mehr Beschreibungskompetenz tun, als uns seit fast zehn Jahren durch die Protagonisten der Informationsgesellschaft zugemutet wird. Wir hatten einmal eine "Informationsgesellschaft", die sich diese Beschreibung erarbeitet hat ohne sie zu benutzen. Diese war eine der Errungenschaften der Spätmoderne, die wir sicher in die Postmoderne äquivalent mitnehmen sollten. Was uns aber jetzt als "Informationsgesellschaft" verkauft wird, ist eine Kommerzialisierung dieses Zustands aus den Interessen eines sich gegen seine grundsätzliche Transformation wehrenden Restes des Industriemoderne. Die Informationsgesellschaft als reine IT-Gesellschaft, in der nur noch elektronische Geräte und Bitraten, Zuschauerquoten und Pageviews, virtuelle Personen und Räume, Merchandising-Erfolge und Sekundärvermarktungen eine Rolle spielen, verspricht wenig Entwicklungsmöglichkeiten. Das werden im übrigen die Leute auch mitbekommen und entsprechend reagieren, Wissenschaft kann den Leuten nur helfen, dies vielleicht etwas schneller zu tun, sie kann aber vor allem denjenigen helfen, die an diese Fiktionen glauben, sich rechtzeitig darauf vorzubereiten.

"Informationsgesellschaft" ist von daher aus meiner Sicht ein Selbstbeschreibungsmodus, der instrumentalisiert wird von den letzten Bastionen einer untergehenden Industriemoderne — vielleicht sogar ohne daß deren Protagonisten dies selbst merken — und der uns daher keinen besonderen Aufschluß für die Bewältigung von Zukunft gibt. Daher ist mein Thema auch "Wege aus der Informationsgesellschaft". Nachdem ich nun die subjektive Notwendigkeit dieses Ausbruchs aus der Informationsgesellschaft begründet habe, lassen Sie mich einige potentielle Wege aus der Informationsgesellschaft kurz erwägen.

Zunächst sollten wir erwägen, auch wenn wir uns in die Potmoderne bewegen, ob wir nicht an einigen Stellen im Überschwang zu weit gegangen sind und uns wieder zurück bewegen sollten:

 

Wege 1: Zurück zu

 

Wege 2: Bewahren von

Mit diesen Möglichkeiten des "Zurück" verbindet sich mein zweiter Erwägungskomplex, der des Bewahrens (das hätte Odo Marquard, den wir heute gerne hier gehabt hätten, sicher sehr eindrücklich gemacht). Bei aller Veränderungsbereitschaft (die selbst ich habe, obwohl mir das ständige Fordern von Reformen etwas auf die nerven geht), sollten wir uns doch zumindest an zwei Dingen festhalten und uns nicht von den Apologeten der Informationsgesellschaft Gegensätzliches einreden lassen:

 

Wege 3: Vorwärts in Richtung auf

Schließlich sollte man allerdings auch die Dynamiken der Veränderung, die derzeit lediglich auf quantitativer Basis gemessen werden in eine sinnvolle Richtung lenken, die auch in die Zukunft schaut. Wir brauchen Konzepte der Selbstbeschreibung, für die Antony Giddens den schönen Ausdruck des "utopischen Realismus" geprägt hat, die uns in den Zeiten des postmodernen Übergangs mit all seinen Unsicherheiten und Ungewißheiten eine Hoffnung auf mehr Ordnung geben und damit für Gesellschaft diesen inneren Kern des Informationsbegriffs, wie er im übrigen auch noch bei Shannon vorhanden ist, neu beleben. Lassen Sie mich hier nur zwei Konzepte ansprechen: